Berlin im Kalten Krieg. Die Stadt stand im Fokus der ideologischen Schlammschlacht der Supermächte, und auf engstem Raum verhärteten sich die konträren Klischees der beiden Deutschen Staaten. Hier die Freiheit, da die sozialen Errungenschaften, hier Demokratie, dort die Diktatur des Proletariats. Das Programm belegt die kriegerischen Strategien der beiden Seiten und folgt ironischen und zynischen Reaktionen. Jenseits der Grabenkriege ließen sich in der DDR nicht alle Filme instrumentalisieren, im Super8-Format konnten die offiziellen Zensurinstanzen bisweilen umgangen werden. Dann die befreiende Wende. Manch Westberliner tat sich schwer, seine Insel der Glückseligkeit aufzugeben.
Kaum je gab es eine radikalere Abschottung eines Landes als in der DDR: Westliche Militärmanöver wie Deko II 1961 legitimierten den Bau des antifaschistischen Schutzwalls, eine allumfassende Erziehung zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ sollte immun machen gegen ´westliche Verführungsversuche´, und dem Klassenfeind - insbesondere der Westpresse - wurde chronisch Angriffsabsicht unterstellt. Diese Paranoia führte zu einem manischen Bespitzelungs- und Observationsapparat, der sich zusehends gegen die eigene Bevölkerung richtete. Selten gezeigtes Material der Staatssicherheit des MfS folgt den Obsessionen einer Angst, der jegliche Vernunft und Ratio verloren gegangen war.
Das ganze Ausmaß der Unterwanderung der privaten Sphären trat erst nach der Wende durch die Akteneinsicht und Auflösung des MfS zu Tage. Die filmischen Stasi-Dokumente über Bespitzelung, Verfolgung und Verhöre schockieren durch ihre Authentizität. Schon der geringste Verdacht, wie beispielsweise die Akten des Fotografen Harald Hauswald zeigen, führte zu alltagsübergreifender Kontrolle. Das Programm gibt Einblick in die Taktiken von Zersetzung über Isolation bis hin zum ´unschädlich Machen´.
Einerseits ´war ja alles gar nicht so schlimm´, und vom ´lustigen Leben in der DDR´ kann durchaus berichtet werden. Andererseits war der staatlichen Einmischung und Kontrolle kaum zu entkommen. Wo Mangel und Zensur walten, ist Fantasie geboten. Das Programm zeigt den ostdeutschen Alltag im Pendel zwischen überschaubaren Risiken und dem Willen zum Aufbruch. Die Filme zeugen vom Versuch, subtil Kritik unterzubringen, was manchmal gelang, aber nicht selten zu Verbot oder Landesverweis führte.
Mit Musik geht vieles leichter, selbst die Arbeit, das Marschieren, das Unterwerfen oder die Begeisterung für den amerikanischen Traum. Das Programm vereint verschiedenste Genres: Frühe Videoclips (lange vor MTV), Undergroundwerke auf Super8, Animationen und Propagandafilme. Erleben Sie musikalische Stimmen aus Ost und West. Auf dass die Mauer fällt: Rock the Wall!
Aus Anlass des 70. Jahrestags des Kriegsbeginns 1939 und des 20. Jahrestags der Überwindung der Ost-West-Trennung 1989 veranstaltete die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" gemeinsam mit dem Goethe-Institut einen Kurzfilmwettbewerb. Junge Filmemacher sollten sich mit den Hinterlassenschaften der geographischen und zivilisatorischen Grenzüberschreitungen von 1939 sowie gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Folgen nach 1989 auseinander. Wir zeigen die filmischen Ergebnisse - als Premiere!