36. Internationales Kurzfilmfestival Berlin 2020
11. November - 13. Dezember 2020

Über das interfilm Festival

Update: 16.12. 2020: Bilanz des 36. interfilm und 13. KUKI Filmfestivals


When life gives you lemons, make lemonade!

Das längste und außergewöhnlichste Festival in interfilms und KUKIs Historie ist erfolgreich zu Ende gegangen: Über 18.800 digitale Kinoplätze wurden besetzt. Das ist fast so viel wie bei einer "normalen" Edition und hierfür möchten wir uns bei allen unseren Besucher*innen bedanken.

All dies wäre ohne eine solide digitale Plattform nicht möglich gewesen. Besonderer Dank gilt daher unserem Partner Sooner, ohne den wir kein digitales Festival geschafft hätten zumal der Smart-Lockdown 10 Tage vor Festival kam. In Windeseile musste umdisponiert werden, ganze Departments der Festivalorganisation bekamen neue Aufgaben.

Eine solch radikale Neuorientierung des Festivals ist natürlich nur möglich, wenn die fördernden Insitutionen auch weiterhin hinter einem stehen. Unser tief empfundener Dank geht deshalb auch an alle Partner, Förderer und Sponsoren des Festivals, allen voran die Medienboard Berlin Brandenburg, Creative Europe MEDIA und Auswärtiges Amt!

Das Festival in Zahlen:

INTERFILM - 36. Internationales Kurzfilmfestival Berlin 2020

  • insgesamt hatte das Festival über 6.000 "Views" bei Sooner (Programm-Eintritte)
  • Geschaute Minuten bei Sooner: 166.000
  • Die Eröffnung von interfilm sahen 3609 Menschen
  • Die Preisverleihung von interfilm sahen 1622 Menschen
  • 797 mal wurden die INTERFORUM  Zoom Sessions  auf unserer Website angesehen
  • Die Library für Professionals benutzten insgesamt 414 Leute
  • Wir hatten 268 internationale Akkreditierte

KUKI - 13. Internationales Kurzfilmfestival für Kinder und Jugendliche Berlin 2020

  • bei KUKI gab es 111 Programmbuchungen von Schulen
  • 5.000 Kinder haben in den zwei Wochen Festival das Programm in ihren Klassen oder KITAs genossen
  • Die Eröffnung von KUKI sahen 1216 Menschen
  • Die Preisverleihung von KUKI sahen 1458 Menschen

Zusammen hatten die Festivals 18.800 Zuschauer*innen

Das interfilm & KUKI Team hat dieses besondere Jahr, diese besonderen Umstände, in die wir geworfen wurden, mit Bravour gemeistert. Getrennt und doch virtuell zusammen feierten wir mit Glitzer(be)kleid(ung), Discolicht und Konfetti den Auftakt und Abschluss der digitalen Ausgaben von interfilm & KUKI.

Die Erfahrungen, die wir dieses Jahr im digitalen Bereich machen konnten, werden für die nahe und ferne Zukunft noch sehr hilfreich sein, da sind wir uns sicher.  Aber auch wenn die Tore zu den digitalen Welten vielleicht etwas offener stehen, so gilt doch weiterhin: interfilm und KUKI sind Filmfestivals.

Filmfestivals gehören ins Kino! Dort sind sie - mit Menschen - erfahrbar und dort kann man sie (er)leben. Unsere Priorität soll und wird also weiterhin auf Vorort-Erlebnissen liegen.

Um die Kinos zu unterstützen, gehen übrigens 20 Prozent der Einnahmen von Sooner und interfilm an die ursprünglich geplanten Festivalkinos.

Aber das wichtigste an einem Filmfestival sind natürlich die Filme selbst. Auch hier müssen wir uns zutiefst bedanken, und zwar bei den Filmemacher*innen, die es uns ermöglicht haben, ihre Filme auch im digitalen Rahmen zu präsentieren, die uns für digitale Q&As bereitstanden, die an unseren digitalen Networking Events teilgenommen haben und die uns in dieser unsicheren Zeit ganz einfach Mut zusprachen.

interfilm vergab Preise im Welt von über 40.000 Euro. Wir freuen wir uns sehr über die starke Resonanz, die der Gewinn bei vielen Preisträger*innen im eigenen Land hervorgerufen hat, zum Beispiel in den Philippinen (Film "Tarang") und in Hong Kong (Film "1 a.m. in Hong Kong") - hier die Laudatios.

Masterclasses und Panels des INTERFORUMS sind nach wie vor online, ebenso die Festival-Eröffnung und die Preisverleihung und der Dekoloniale x interfilm Short Film Walk durch Berlins Geschichte von europäischem und deutschem Kolonialismus.

Auch das 13. KUKI Filmfestival für Kinder und Jugendliche hat seine erste digitale Ausgabe mit Sternchen gemeistert und hat sein Programm in insgesamt 111 Klassenzimmer gebracht. Damit haben über 5000 Kinder und Jugendliche ihre Schulen und Kitas zu Festivalkinos gemacht und mit vielen vorproduzierten Moderationen und Filmemacher*innengesprächen kam dabei richtig Festivalfeeling auf.

Wir sind sehr glücklich mit unserer ersten digitalen Festivalausgabe, aber freuen uns auch darauf, im kommenden Jahr (hoffentlich) wieder ein physisches Festival mit Kinos, Gästen, Parties, Drinks und langen Gesprächen zu haben.

Report: 36th interfilm and 13th KUKI Film Festivals

When life gives you lemons, make lemonade!

The longest and most extraordinary festival in interfilm's and KUKI's history was a tremendous success: Over 18,800 digital cinema seats were filled! This gets close to a regular edition (in numbers at least) and we therefore owe a huge thank you to all our viewers.

None of this would have been possible without a reliable digital platform. Special thanks go to our partner Sooner, without whom we would not have managed such a smoothly-run digital festival, especially since the "smart lockdown" was announced just 10 days before the festival was due to begin. We had to reshuffle the festival in the blink of an eye, reallocating budgets, tasking departments with entirely new roles and  cancelling all travel arrangements.

Such a radical restructuring of the festival is of course only possible if one's supporting institutions continue to stand by them. Therefore our heartfelt thanks also go to all our festival partners, funders and sponsors, first and foremost Medienboard Berlin Brandenburg, Creative Europe MEDIA and the German Federal Foreign Office!

The interfilm & KUKI team mastered this challenging year and the peculiar circumstances with flying colours. With glittery outfits, disco lights and confetti, we celebrated the start and end of the respective digital editions separately and yet (virtually) together.

The experiences we were able to make in the digital realm will surely serve us well in the near and distant future.  But even if the digital floodgates have now been cranked open, the bottom line remains the same: interfilm and KUKI are film festivals.

Film festivals belong in the cinema, to be shared and experienced by crowds of people interacting and exchanging. Therefore, our priority is and will continue to be focussed on striving for on-site experiences.

Incidentally, to support the cinemas, 20 percent of the proceeds from Sooner and interfilm will go to the cinemas originally scheduled for the festival.

But the most important thing about a film festival are the films themselves. Here, too, we must express our deepest gratitude to the filmmakers who made it possible for us to present their films in a digital context, who made themselves available for digital Q&As, who participated in our digital networking events, and who encouraged us in these uncertain times.

interfilm awarded prizes worth more than a total of 40,000 euros. We are particularly delighted by the strong resonance that many of the award-winner's received in their respective countries, for example in the Philippines ("Tarang") and in Hong Kong ("1 a.m. in Hong Kong") - click here for the laudations.

INTERFORUM masterclasses and panels are still online, as are the ceremonies for the opening and awards events and the Decolonial x interfilm Short Film Walk through Berlin's history of European and German colonialism.

The 13th KUKI Film Festival for Children and Youth also managed to produce a stupendous first-ever digital edition and streamed its 12 short film programs to more than 100 schools! KUKI transformed classrooms into festival cinemas for around 5,000 children and teenagers in schools and daycare centers all over Berlin and Brandenburg. All programs featured lively film talks and interviews with filmmakers, heaps of confetti, and the beating of a corona-pinata - making the KUKI Festival spirit really come alive.

And while we are super pleased with our first digital festival edition, we really can't wait to (hopefully) hold a physical festival once again next year at our cool cinemas with lively audiences, crazy parties, too many drinks and wonderfully irritating & inspiring talks.

Update 29.10.: Das Festival online bei Sooner

Nun ist es soweit, es kam wie es kommen musste: Der (softe) Lockdown ist da und erwischt unser Festival mit voller Breitseite. Ein hybrides Festival hatten wir ja sowieso schon geplant, aber nun ist klar, interfilm 36 wird online stattfinden.

Wir arbeiten aktuell mit unserem Partner SOONER an der Umsetzung und präsentieren hier unseren Plan das gesamte Festival wie folgt anzubieten: Mehr als 270 Kurzfilme in über 30 Programmen inklusive ausgewählter Q&As werden zwischen dem 11. November und 13. Dezember online unter www.interfilm.de/sooner präsentiert.

Und das Beste: Das Ganze zum Preis einer einzelnen Kinokarte von 7,95 EUR.

Hier die Übersicht.

Nichts trifft uns mehr als unsere Gäste nicht persönlich in Empfang nehmen, spannende Gespräche führen oder wilde Partys feiern zu können. Aber: The Show must go on und das wichtigste sind immer noch die Filme und diese in einem agemessenen Rahmen präsentieren zu können ist nun unser oberstes Ziel. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben dass auch im neuen (digitalen) Rahmen unsere OSCAR(R) und FFA-Relevanz bestehen bleibt. Unsere Juries entscheiden, unsere Preise werden vergeben und unser Festival bleibt ein Festival. Das ist das Wichtigste.

Das Interforum findet weiterhin vom 11. - 14. November statt und alle Veranstaltungen laufen online via Zoom, den Link zur jeweiligen Veranstaltung erhält man nach Anmeldung via interforum@interfilm.de. Lediglich das Girls* Riot! Panel muss leider ausfallen, wir arbeiten an einem Alternativtermin!

Auch KUKI bleibt natürlich vom Lockdown nicht unberührt. Kinovorstellungen fallen aus, aber die ohnehin schon geplante Distribution des Festivalprogramms in die Klassenzimmer und Kindergärten bleibt bestehen und läuft auf Hochtouren. Die Programme können immer noch gebucht werden!

Wir machen das Beste daraus und versuchen auch in diesen schwierigen Zeiten Kurzfilm als Format, als Medium, als künstlerischen Ausdruck in die Welt zu tragen. Mehr denn je brauchen wir dabei jede Hilfe die wir bekommen können. Ein perfekter Zeitpunkt also um sich zuhause einen schönen Abend mit ein paar guten Kurzfilmen auf Sooner zu machen, unserem Freundeskreis beizutreten oder einfach unsere Posts in den sozialen Medien zu teilen.

In diesem Sinne: Denkt postiv, bleibt negativ!

Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, um die Ansteckungskurve abzuflachen, bedauern die Absage der öffentlichen Screenings jedoch sehr. Unser Team hat ein ganzes Jahr mit viel Herzblut und großer Flexibilität an dieser Festivalausgabe gearbeitet und auch die Kinobranche hat innerhalb kurzer Zeit gut funktionierende Schutzkonzepte erarbeitet, die trotz der aktuellen Situation das Kulturerlebnis möglich gemacht haben. Wir danken an dieser Stelle allen Mitarbeitenden, Helfer*Innen, Sponsor*Innen und Partner*Innen für ihre Unterstützung und den enormen Einsatz zugunsten unseres Festivals und des Kurzfilmes.

interfilm Festival 2020


Die Eroberung der Wirklichkeit

„Wer auf das Erzählen verzichtet,“ schreibt Odo Marquard in „Skepsis in der Moderne“, „verzichtet auf seine Geschichte“ und damit auch auf eine Zukunft, die sich aus diesen Geschichten speisen könnte. Lange Zeit hat sich zukunftsorientiertes Handeln in den auf Kurzfristigkeit hin ausgelegten Erzählungen von Wachstum und Wettbewerb erschöpft. Jenseits des tagespolitischen Aktionismus im immer schneller schlagenden Takt der Börse ist der Politik und der Gesellschaft jeder Gestaltungswille abhanden gekommen. Geschichten im Sinne einer Utopie werden uns vorrangig von transnationalen Konzernen erzählt. Zukunft ist hier jedoch nur die Vision einer Technik, die darin benutzt wird: alles geht so weiter wie immer, nur eben angeblich besser. Resultat war und ist ein radikaler Zukunftsverlust. Spätestens mit den Auswirkungen des Klimawandel und der Corona-Pandemie wird deutlich, dass selbst diese letzte kollektive Großerzählung vom ewigen Wachstum implodiert.

Doch Menschen brauchen Geschichten. Ihre Sehnsucht danach spiegelt sich in der Versessenheit auf TV-Serien, in denen es um nichts anderes als die Story und ihre Cliffhanger geht. Im Kino und in der Kunst ist es die Moral, die diesen Platz seit einiger Zeit besetzt; sie soll in doppeltem Sinne Geschichte liefern – die richtige nämlich. Auf der anderen Seite stehen die Erzählungen der Verschwörungsideolog*innen, die klare Weltbilder schaffen wollen und nicht anders als völkische Denkungsarten eine Einheit beschwören, die immer einen klaren Gegner kennt.

Die Welt ist mitten in einer schwerwiegenden Transformation, die ohne Bilder nicht zu denken ist. Erst sie ermöglichen die Vorstellung davon, dass alles auch anders sein könnte. Das heißt, dass es neue Bilder braucht, metaphorische und poetische, Bilder, die bekanntes Terrain verlassen, die Welt mit anderen Augen sehen lassen und so das Denken von Utopien ermöglichen. Die Frage ist nur, wer diese Bilder schafft. Das Kino begann als offenes Experimentieren mit einem vollkommen neuen Medium im kurzen Format. Spätestens seit den 1960er Jahren ist der Kurzfilm endgültig befreit von den ästhetischen und inhaltlichen Konventionen der Ökonomie, die dem Langfilm mehr und mehr zusetzen und kann Gesellschaft mit künstlerischen Mitteln erforschen und so die Wirklichkeit erobern.

Die notwendigen Beschränkungen des Maßnahmenkatalogs zur Eindämmung von COVID-19 treffen auch uns als Festivalmacher*innen schwer. Doch ist es für uns auch Gelegenheit die gemütliche Strickjacke nach außen zu kehren und die Welt anders zu denken und neu zu erobern. EJECT wird in diesem Jahr Open Air stattfinden. Die Focus-Programme rücken das Filmland Polen, das sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einer schweren Krise befand und in den vergangenen 15 Jahren eine kinematografische Wiedergeburt erlebte, ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Im Libanon sind es die politischen Krisen, wegen der die Menschen mit Kamera in der Hand durch die Straßen ziehen, weshalb der Metropole Beirut in diesem Jahr ein Spezialprogramm gewidmet ist. Mit dem Postcolonial Walk verbinden wir Filme zu Europas kolonialer Vergangenheit mit Orten in Berlin. Und auch die Möglichkeit Filme online zu zeigen, muss kein Nachteil sein, sondern bietet Gelegenheit anders und anderes Publikum an einem anderen Ort zu erreichen, für das Kino zu begeistern und in neue (Bilder)Welten eintauchen zu lassen.

Und damit herzlich willkommen zu interfilm – 36. Kurzfilmfestival Berlin!

Das Interfilm-Team

 

Über das Festival

1981 in den besetzten Häusern Berlin-Kreuzbergs gegründet, hat interfilm in seiner über 35-jährigen Geschichte unterschiedlichste Gestalten angenommen und Inkarnationen durchlaufen. Die Anfänge im legänderen West-Berlin der 80er wurden zum Grundstein für eines der heute ältesten und größten Kurzfilmfestivals Deutschlands. Der Avant-Garde-Super-8-Film der frühen Tage ist dabei genauso ein Teil von interfilm wie das facettenreiche und internationale Programm heutiger Festivaleditonen.

Über 6000 Einreichungen erreichen interfilm jedes Jahr aus ca. 140 Ländern. Für das inzwischen 7-tägige Festival werden davon rund 600 Filme ausgewählt und in über 50 Programmen und in Anwesenheit von über 500 internationalen Gästen und Filmemacher*innen präsentiert. Internationale und nationale Wettbewerbe, Länder- und Themenschwerpunkte, Sonderprogramme, Panels und Workshops locken mehr als 20.000 Besucher in die über ganz Berlin verteilten Festival-Spielstätten. Vom großen Haus der Volksbühne über das historische Babylon bis hin zu gemütlichen Off-Kinos ist alles dabei was ein filmbegeistertes Herz begehrt. KUKI, das internationale Kinder- und Jugendkurzfilmfestival ist seit 2008 ein eigenständiges Festival und bietet zeitgleich mit interfilm bewegende Filmmomente für den cineastischen Nachwuchs.

Oscar-relevant: Seit 2018 sind die Gewinnerfilme Live Action und Animation im Internationalen Wettbewerb oscar-relevant. Mehr lesen

Das ganze Jahr über reisen interfilm und Kuki Programme durch die Welt und es werden Workshops an Schulen, Universitäten und im Rahmen anderer Filmfestivals gegeben. So war interfilm Berlin schon auf allen Kontinenten persönlich zu Gast. Die ganzjährige internationale Präsenz garantiert den hohen Standard der Programmauswahl und fördert international Kontakte mit Filmschaffenden und Institutionen. Mit dem monatlich wechselnden Programm Shorts Attack ist interfilm außerdem Bundesweit kontinuierlich in über 20 Kinos vertreten.

Ausgewählte Filme des Festivals gelangen in den interfilm Kurzfilm Verleih und werden weltweit ausgewertet.

interfilm bietet in jedem Jahr erneut ein umfangreiches Programm, welches durch internationale Auswahl, Vielseitigkeit und Aktualität besticht. Die Themen der Stunde spielen genauso eine Rolle wie von langer Hand geplante Retrospektiven, Newcomer finden genauso einen Platz wie alt-ehrwürdige Veteranen. Denn eines ist allen gemein: Die Begeisterung für den kurzen Film.